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EIN WINTERSPAZIERGANG

Bis zum nächsten Sommer ist es noch lange hin? Auch mitten in der Eiszeit breitet sich hier ein warmes Gefühl aus.


Text: Roland Rödermund

Fotos: Kerstin Peters


Ein zugeschneiter Baum in der Boberger Niederung

BOBERGER NIEDERUNG


Man kann die feuchte, dumpfe Luft fast schmecken. Sie durchnässt die Haare. Und die Gedanken. Auf dem Boden ist der Morgentau zu Raureif gefroren. Auf den Gräsern und Heidebüschen haben sich stachelige Eiskristalle gebildet. Alles ist überzogen von dieser feinen, glitzernden Hülle. Auch der Sand am Rand der Düne schimmert silberweiß, es knirscht unter den Sohlen. Nur die Birken scheinen über die Kälte hinwegzusehen.


Anfang März. Der Winter hat sich noch einmal aufgebäumt. Und jetzt, am Morgen, ist er am klarsten, am ehrlichsten. Mein Atem friert fast ein, wie das vereiste Spinnennetz zwischen den zwei Heidekrautpflanzen. Es wird ein schöner Tag, auch das spürt man an der Luft. Ich versuche, den Winter auch zu riechen, mich zumindest an seine Gerüche zu erinnern, aber es gelingt mir nicht. Wenn ich hier bin, ist normalerweise Hochsommer. Oft fahre ich mit dem Rad eilig durch die Wiesen, weil ich dringend an und in den See will, doch dann habe ich die Wildblumen oder den trockenen Duft der Heide in der Nase, den leicht modrigen Geruch des Wassers und den verheißungsvollen Hauch von Sonnencreme, der sich mit allem vermischt. Manchmal halte ich kurz an, beim Segelflugplatz, und schaue, wie ein Flieger nach dem anderen per Gewinde und mit leisem Surren in die Luft gezogen wird. Davon bin ich jedes Mal aufs Neue fasziniert. …



Boberger Niederung

S 2 bis Mittlerer Landweg, dann weiter mit dem Bus 330 bis Billwerder Kirche, von dort 1,4 Kilometer zu Fuß. Oder mit dem XpressBus X 80 ab Rödingsmarkt bis Boberg. Alternativ mit der U 2 bis Mümmelmannsberg und von dort mit dem Bus 29 bis Boberg


53.509235, 10.160587


Boberger See

53.513914, 10.138795


An Rinden, auf Blättern und Gräsern und auf dem Sand hocken feinste Eiskristalle

 

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