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3 HERBSTSPAZIERGÄNGE DURCH HAMBURG

vor 4 Tagen
3 Min. Lesezeit

Was passt gut zum Herbst? Kürbissuppe, Zuhause einkuscheln, Kakao mit Marshmallows und lange Herbstspaziergänge? Für Letzteres haben wir euch drei Spaziergänge durch Hamburger Parks aus unserem Buch "City of Green - Hamburg" herausgesucht, bei denen ihr grüne Flucht vor dem städtischen Gewimmel finden könnt. Wer Lust und Zeit hat, kann die Spaziergänge durch die Parks auch miteinander verbinden.


Fotos: Kerstin Peters

Texte: Roland Rödermund




HIRSCHPARK


Landhaus J. C. Godeffroy heißt das alte klassizistische Herrenhaus, das unübersehbar in der Mitte des Parks thront und in dem sich heute eine Ballettschule befindet. Namensgeber ist Johan Cesar Godeffroy, der aus einer hugenottischen Familie in Frankreich stammte und

sich im 18. Jahrhundert in Hamburg niederließ. Hinter dem Haus tritt man auf eine Aussichtsplattform. Die Sonne blendet. Eine Hand an der Stirn blickt man vom Geesthang hinunter – über eine Baumgruppe und malerische Häuserdächer auf den Fluss bis zum gegenüberliegenden Elbufer – zum Werksgelände von Airbus. Die Lkw, Transporter, Container und selbst die riesigen Leiber der Maschinen »Super Guppy« und »Beluga« sehen aus wie Spielzeug von hier oben. Die Industrie da unten gegenüber ist zu weit weg, als dass sie optisch überhandnehmen könnte. So gibt es im Park viele dieser Aussichtspunkte, auf denen man sich jedes Mal freut, dass man in einer so schönen Stadt wohnt. Im bewaldeten Hirschpark wirken die Bäume höher, schlanker und irgendwie edler. Der Eindruck mag täuschen, passt aber zu diesem herrschaftlichen, nach englischem Vorbild angelegten Landschaftsgarten zwischen Elbchaussee und Elbhang.


Anfahrt:

S 1 bis Blankenese oder Hochkamp oder Bus 22 oder 1 bis Mühlenberg




JENISCHPARK


Der Jenischpark zwischen Elbhang und Flottbektal wurde ab 1785 nach dem Vorbild einer sogenannten »Ornamented Farm« geschaffen, der damaligen englischen Vorstellung von der idealen Landschaft. Jene spiegelte ein romantisiertes Bild der heilen Welt und des glorifizierten Landlebens wider: Wege, Pflanzungen, Gärten, aber auch Architektur und landwirtschaftlich genutzte Flächen, Felder und Wälder sollten eine genau durchdachte, akkurat orchestrierte Einheit bilden. Diesen grünen Geist spürt man heute noch immer – auch wenn der Jenischpark in Othmarschen an vielen Stellen verwildert wirkt und man sich eher in englische Marschlandschaften versetzt fühlt als an Gartenkonzepte erinnert. Ein Eindruck von Weite stellt sich hier sofort ein. Man versteht, ja, fühlt, was Ernst Barlach meinte: »Ich suchte der Natur und den Elementen nahe zu sein.« Der Expressionist wurde mit einem Museum im Park geehrt, daneben gibt es noch das Jenisch Haus und das Eduard-Bargheer-Museum (auch gut geeignet für den unwahrscheinlichen Fall, dass es in Hamburg mal regnet). Über die große Wiese vorm Jenisch Haus kann man die Elbe funkeln sehen. Zwei Spechte scheinen sich mit abwechselndem Klopfen anzumorsen. Und man kann sich gerade nicht vorstellen, dass es einen friedlicheren Ort in Hamburg geben kann.


Anfahrt:

S 1 bis Klein Flottbek oder die Elbfähre 64 bis Teufelsbrück



ALTONAER VOLKSPARK


Am Haupteingang an der August-Kirch-Straße stehen in einem Heckenrondell sieben stattliche weiße Holzbänke. Als wäre man in einem grünen Wartezimmer angekommen. Okay, erst mal hinsetzen, erst mal sammeln. Wenn man diesen »Wartebereich« verlässt, schlendert man über die Allee, diese führt auf die große Wiese. Eine so ehrwürdige Promenade, eine so eindeutige Hinführung ist das, man kommt überhaupt nicht auf die Idee, anders zu laufen, etwa erst mal seitlich am Park längs, um irgendwo mittiger einzustechen, das ginge ja auch. Brav folgen wir der Allee, wie es einst vom Planer angedacht war. Dann diese ausladende Spielwiese, von Sommerlinden ist sie eingerahmt. Sie ist nicht frisch gemäht oder gestriegelt wie die Stadtnatur an vielen anderen Stellen in Hamburg. Der Volkspark ist weitaus mehr als diese Wiese; den größten Teil macht der Mischwald aus. Und wenn man den Park von anderer Seite betritt, offenbart er sich als dichter und hügeliger Stadtwald. Es gibt sogar kleine Schluchten. Und das im norddeutschen Tiefland. Wir wandeln durch verschiedene Themenwelten: So gibt es einen akkuraten Dahliengarten. Oder der sorgfältig angelegte Schulgarten, der früher für die naturkundliche Bildung der Altonaer Schüler:innen maßgeblich war. Ein paar Meter hinter dem Schaugarten wirkt der Volkspark wieder komplett anders. Dort findet sich eher verbuschtes Gelände, zwischen Nadelbäumen tummeln sich Adlerfarne auf einem kleinen Feld, dazwischen Brombeeren.


Anfahrt:

Bus 3 bis Haltestelle August-Kirch-Straße oder S 2 oder S 5 bis Holstenstraße und dann mit dem XpressBus X 3 bis Trabrennbahn Bahrenfeld



Lust auf mehr?


Weitere Spaziergänge durch Hamburger Parks, Grünanlagen und Naturschutzgebieten begleitet von hochwertigen Fotografien findet ihr in unserem "City of Green - Hamburg".

Ob es Hamburger Klassiker wie Planten un Blomen oder weniger bekannte Grünoasen im Umland sind, immer gelingt es dem Autor und „Draußenschreiber“ Roland Rödermund und der Designerin und Fotografin Kerstin Peters, den Leser:innen darauf Lust zu machen, sich mit den eigenen Sinnen auf die verschwenderische Schönheit der Natur einzulassen. Wer den Zielen im Buch folgt und Hamburg als City of Green entdeckt, findet innere Ruhe und ein tieferes Verständnis von der Kostbarkeit unserer Natur.



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